Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
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Häufige Fragen
Diese Veränderung der DNS stellt die "Zündung" für die Entwicklung der Krebserkrankung dar. Als Folge der Mutation geht die Kontrolle über die Regulierung der Zellteilung verloren: es setzt eine unkontrollierte Zellvermehrung ein. Zunächst entstehen zwei neue Zellen, die sich ebenfalls teilen, so dass vier Zellen entstehen, dann acht usw. Daraus bildet sich ein Tumor, der entweder nur verdrängend (gutartig) oder invasiv wächst und Metastasen bilden kann (bösartig).
Dauer der Entstehung
Solide Tumore
Die so genannten "soliden" Tumore sind die weitaus häufigsten Krebserkrankungen (336.100/Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland).
- bei Frauen der Brustkrebs (47.500/ Jahr)
- bei Männern das Prostatakarzinom (40.670/ Jahr)
Systemerkrankungen
Deutlich seltener sind die so genannten Systemerkrankungen (25.220/Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland). Diese nehmen ihren Ausgang vom Knochenmark, in dem die roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie die für die Blutstillung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) gebildet werden oder vom lymphatischen System.
- die Leukämien
- die Non-Hodgkin Lymphome
- und die Hodgkin Erkrankung
Auch physikalische Einwirkungen wie Strahlen können krebsauslösend sein. Für Strahlen sind beim Menschen wichtige Details der Krebsentstehung relativ gut bekannt: niedrige Strahlendosen, die z.B. in der medizinischen Diagnostik zur Anwendung kommen, bedeuten für das einzelne Individuum in der Regel ein äußerst geringes und damit eher vernachlässigbares Krebsrisiko. Das Krebsrisiko nach einer Strahlentherapie mit ihren wesentlich höheren Dosen ist aus bestimmten Gründen ebenfalls relativ klein.
Es ist heute Allgemeinwissen, dass übermäßiger Nikotinkonsum das Risiko des Lungenkrebses deutlich erhöht. Eine hohe, über viele Jahre aufsummierte Dosis von Nikotin führt mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit zu dieser oft tödlich verlaufenden Erkrankung.
Bei der weitaus überwiegenden Zahl von Patienten mit Krebserkrankungen des Kopf-Halsbereiches (z.B. Krebs der Mundhöhle oder des Rachens ) ist ein langjähriger Konsum der Kombination von Alkohol und Nikotin gegeben.
Biologie
Die Krebsentstehung ist letztlich äußerst komplex. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich die Krebserkrankung schicksalhaft vor dem Hintergrund einer in den Grundzügen feststehenden menschlichen Natur und Biologie. Zu dieser Biologie gehört, dass sich in den vielen Billionen Körperzellen, "Betriebsunfälle" ereignen können. Es liegt auf der Hand, dass die ständig molekularen Aktivitäten im Sinne von Auf- und Abbau der vielen Moleküle oder einzelnen Zellen (z. B. der DNS, der Eiweiße etc.) nicht immer und ein Leben lang ohne Fehler vonstatten gehen. Da die menschliche Biologie in sich nicht fehlerfrei ist, können im Laufe der Jahrzehnte eines menschlichen Lebens spontan "Betriebsunfälle" bzw. DNS-Mutationen (s. oben unter Dauer der Entstehung) entstehen, die der Startschuss für eine individuelle Krebserkrankung sind.
Krebsgene
Man geht heute davon aus, dass im Zuge der Evolution in das genetische Material der menschlichen Zellen Krebsgene (Onkogene) integriert worden sind. Diese Krebsgene werden zumeist in ihrer Aktivität durch benachbart liegende Gene unterdrückt, können aber auch für physiologische Prozesse (z. B. Zellwachstum) angeschaltet werden. In der molekularen Struktur bestimmter Genen können sich spontan auftretende Veränderungen "Betriebsunfälle" ereignen. Dadurch wird die Aktivität der Krebsgene und damit die Entwicklung der Krebserkrankung in Gang gesetzt.
Nicht jede krebsrelevante Molekülveränderung führt jedoch zu Krebs. Zur Biologie des Menschen gehören auch Mechanismen, die molekulare Schäden reparieren oder Zellen mit Schäden aus dem Zellverband ausschließen. So wie eine Wunde abheilen kann, kann auch eine molekulare Verletzung der DNS zur vollständigen Ausheilung kommen. Nicht jeder spontane oder von außen durch Chemikalien oder Strahlen bewirkte molekulare Schaden im Bereich der Krebsgene führt also zu einer Krebserkrankung!
Alter
Klar ist jedoch, dass im Laufe eines langen Lebens ein zunehmend größer werdendes Risiko gegeben ist, eine "spontane" krebsauslösende Molekül-Verletzung zu erleiden, die unerkannt bleibt und so den körpereigenen Reparatur-Mechanismen entgeht.
Krebs durch seelische Belastung?
Die Frage, ob und in welcher Weise seelische Zustände, beispielsweise über hormonelle Einflüsse, auf die Krebsentstehung und die Entwicklung eines Tumors Einfluss nehmen, ist bis heute nicht beantwortbar. Die ernst zu nehmende Forschung, die sich mit Zusammenhängen zwischen Seele und Krebsentwicklung befasst, hat bislang nicht mit überzeugender Eindeutigkeit entsprechende Einflüsse beweisen können. Dieses schließt nicht aus, dass Zusammenhänge bestehen. Naturwissenschaft und moderne Medizin sollten sich eingestehen, dass ihr Wissen um Körper und Seele insgesamt sehr eingeschränkt ist.
- ein mäßiger Fleischgenuß
- ein häufigerer Fischverzehr
- vor allem aber generell eine ballaststoffreiche, an tierischen Fetten relativ arme Ernährung mit viel Obst und Gemüse.
Ein natürlicher Anbau von Obst und Gemüse sowie eine möglichst natürliche Tierhaltung sind sicher im Hinblick auf die Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln vorteilhaft.
Die Zellen bösartiger solider Tumoren können invasiv in Lymph- oder Blutgefäßen einwachsen und dort die Erkrankung weiter verbreiten. Man unterscheidet die Metastasierung nach Art (z.B. über die Lymphe oder das Blut) und nach Ort (z.B. regionäre Metastasen). Zum Beispiel gelangen mit dem Blutstrom Tumorzellen in unterschiedliche Organe und bilden dort Fernmetastasen.
Generelles Prinzip: bei allen soliden Tumoren besteht ein Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit der Metastasierung und der Tumorgröße. Je kleiner der Tumor desto unwahrscheinlicher ist die Metastasierung!
Sichtbar werden Metastasen ab einer Größe von ca. 5 bis 10 mm Durchmesser. Frühestens ab diesen Durchmessern lassen sie sich mit den apparativen diagnostischen Methoden (Computertomographie; Kernspintomographie, Szintigraphie, Positronentomographie, Ultraschall) entdecken.
Lymphknotenmetastasen
Lymphknoten, die nicht in der unmittelbaren Umgebung des jeweiligen Tumors, sondern weiter entfernt liegen und auch erfahrungsgemäß erst im fortgeschritteneren Stadium der Tumorerkrankung befallen werden, nennt man nicht-regionäre Lymphknoten.
Fernmetastasen
Je nach Lage und Art des primären Tumors sind Fernmetastasen in bestimmten Organen (z.B. Lunge, Knochen, Gehirn) bevorzugt zu finden. Beim Mamma- und Prostatakarzinom beispielsweise finden sich Metastasen am häufigsten im Knochen, beim Darmkrebs in der Leber. An den Befallwahrscheinlichkeiten orientieren sich auch die Untersuchungen zur Beurteilung der Tumorausdehnung vor der Therapie. Prinzipiell können Metastasen aber - unabhängig von der Krebsart - in jeder Körperregion zu finden sein.
Wie schnell und wie häufig Metastasen auftreten, hängt von den einzelnen Tumorerkrankungen ab.
Frei vom Rückfall
Im Allgemeinen spricht die Krebs-Medizin von 5- oder 10 Jahres-Heilungsraten. Bei einem Teil der Krebserkrankungen, zum Beispiel bei Karzinomen im HNO-Bereich kann davon ausgegangen werden, dass ein Rückfall der Erkrankung später als 5 Jahre nach Therapie eher unwahrscheinlich ist. Jedoch erst bei einer Rückfallfreiheit von 10 Jahren besteht mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit die Heilung. Eine 100%-ige Sicherheit ist jedoch auch jenseits der 5- oder 10 Jahres Grenzen nicht gegeben.
Wie kann man Heilung feststellen?
Im Allgemeinen ist am Ende der auf Heilung zielenden Therapie der Krebs nicht mehr zu erkennen.
Leider können die einzelnen diagnostischen Verfahren am Ende der Behandlung nicht feststellen, ob noch kleinere Ansammlungen von aktiven, vermehrungsfähigen Krebszellen im Körper des Patienten vorhanden sind. Der Medizin fehlt das Mikroskop, mit dem direkt in den Patienten hineingesehen werden kann, um kleinste Krebsherde (kleiner als ca. 5 mm) zu erkennen.
Fazit
Die Frage der Heilung lässt sich somit nur aus dem Verlauf nach durchgeführter Therapie beantworten. Solange mit diagnostischen Verfahren, speziell auch mit klinischer Untersuchung durch den geübten und spezialisierten Arzt, ein Rückfall der Erkrankung nicht festgestellt wird, gilt der Patient als geheilt.
Mit anderen Worten: wenn die Heilung nicht erreicht wurde, lässt sich dieses erst erkennen, wenn aus mikroskopisch kleinen Resten der Tumorerkrankung ein einzelner oder mehrere Herde einer sichtbaren Größenordnung (größer als ca. 5 mm) herangewachsen sind. Bei einem Rückfall der Erkrankung in diesem Sinne spricht die Medizin von Rezidiven. Man unterscheidet zwischen Lokalrezidiven und Metastasen-Rezidiven. Lokalrezidive finden sich am Ursprungsort der Tumorerkrankung. Bestimmte Hirntumoren neigen zur lokalen Rezidivierung (z. B. Glioblastome), zum Teil auch Prostatakarzinome oder Karzinome des HNO-Bereiches.
Leider ist die Heilung einer Krebserkrankung schon primär nicht immer möglich. Dieses hängt zumeist damit zusammen, dass schon bei der Entdeckung der Krankheit ein fortgeschrittenes Stadium gegeben ist.
Linderung von Schmerz und Beschwerden
Ziel der palliativen Behandlung ist die Linderung oder vollständige Beseitigung von Beschwerden. Sehr häufig geht es um Rückbildung von Schmerzen, z.B. bei Metastasen im Skelett. Mit Verkleinerung der metastatischen Herde durch entsprechende Therapie, gehen die Schmerzen zurück, oder es wird z.B. die Gefahr eines Knochenbruches beseitigt. Bei Behandlung von Gehirn-Metastasen können z. B. durch hochpräzise und gezielte Anwendung von Strahlen am Linearbeschleuniger (Stereotaktische Strahlentherapie oder Radiochirurgie) Lähmungen oder sensorische Ausfälle rasch beseitigt werden. Palliation bedeutet letztlich immer die Verhinderung von absehbaren schwereren Komplikationen bzw. die Verbesserung von Lebensqualität.
Grundsätzlich kann die zeitweise Kontrolle der Tumorerkrankung durch palliative Therapie auch zu einer Lebensverlängerung führen. Zwischen Patient und Arzt sollte gerade auch bei der Palliation das Therapieziel gut abgesprochen sein. Im Aufklärungsgespräch sollte der Patient ein Gefühl dafür bekommen, welche Belastung und Beschwerden mit der Behandlung verbunden sind.
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