Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie

Klinikum rechts der Isar
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Häufige Fragen

Sie haben die Möglichkeit das Buch "Krebserkrankungen und interdisziplinäre Behandlung - Eine ganzheitliche Betrachtung mit Schwerpunkt Strahlentherapie", geschrieben von Herrn Prof. Molls, bei uns zu bestellen. Es informiert Sie von der Krebsentstehung bishin zur Strahlentherapie. Bitte kontaktieren Sie uns.
 
 
Wie wirkt die Strahlentherapie?
Wie kann mir psychisch geholfen werden? 
 

Wann ensteht Krebs?

Im gesunden Körper läuft die Vermehrung wie auch das Absterben von Zellen streng kontrolliert ab. Die Erbsubstanz der einzelnen Zelle, d.h. die DNS (Desoxy-Ribo-Nucleinsäure) spielt hierbei eine sehr wesentliche Rolle. Wird nun auf molekularer Ebene die DNS verändert, spontan oder von außen bewirkt, spricht man von Mutation.

Diese Veränderung der DNS stellt die "Zündung" für die Entwicklung der Krebserkrankung dar. Als Folge der Mutation geht die Kontrolle über die Regulierung der Zellteilung verloren: es setzt eine unkontrollierte Zellvermehrung ein. Zunächst entstehen zwei neue Zellen, die sich ebenfalls teilen, so dass vier Zellen entstehen, dann acht usw. Daraus bildet sich ein Tumor, der entweder nur verdrängend (gutartig) oder invasiv wächst und Metastasen bilden kann (bösartig).

Dauer der Entstehung

Der Zeitraum vom Erstereignis der molekularen Veränderung der DNS bis zum Diagnostizieren der Tumor- bzw. Krebserkrankung (Tumor von ca. 0,5 bis 1 cm Durchmesser) dauert im Fall der soliden Tumoren ca. 15 bis 20 Jahre oder mehr. Die Systemerkrankungen wie Leukämie und Lymphome entwickeln sich in kürzeren Zeiträumen als die soliden Tumore (innerhalb von ca. 10 Jahre).
 

  
Welche sind die häufigsten Krebsarten?

Solide Tumore

Die so genannten "soliden" Tumore sind die weitaus häufigsten Krebserkrankungen (336.100/Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland).

Hierunter dominieren
-    bei Frauen der Brustkrebs (47.500/ Jahr)
-    bei Männern das Prostatakarzinom (40.670/ Jahr)
-    und bei beiden Geschlechtern die Krebserkrankungen der Lunge (42.250/Jahr) und der Verdauungsorgane (88.000/Jahr).

Systemerkrankungen

Deutlich seltener sind die so genannten Systemerkrankungen (25.220/Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland). Diese nehmen ihren Ausgang vom Knochenmark, in dem die roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie die für die Blutstillung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) gebildet werden oder vom lymphatischen System.

Zu den Systemerkrankungen zählen u.a.
-    die Leukämien
-    die Non-Hodgkin Lymphome
-    und die Hodgkin Erkrankung
 

  
 
Wann kann man Tumore erkennen?
 
Frühestens wenn durch das unkontrollierte Wachstum ca. 10 Millionen Zellen vorhanden sind, hat die Gesamtheit der Zellen eine Größe erreicht, die den Tumor und damit die Krebserkrankung erkennen lässt. Der Durchmesser des Tumors beträgt in diesem relativ frühen Stadium ca. 1 Zentimeter. Bei relativ wenigen Patienten werden Tumoren schon mit einer Größe von ca. 5 mm entdeckt.
 


Was löst Krebs aus?
 
Chemische Substanzen unterschiedlichster Art sind sehr wahrscheinlich die häufigsten  Krebsverursacher, die von außen kommen. Sie gelangen durch Flüssigkeit und Nahrung, durch Einatmung und durch Hautkontakt in die verschiedenen Körpergewebe.

Auch physikalische Einwirkungen wie Strahlen können krebsauslösend sein. Für Strahlen sind beim Menschen wichtige Details der Krebsentstehung relativ gut bekannt: niedrige Strahlendosen, die z.B. in der medizinischen Diagnostik zur Anwendung kommen, bedeuten für das einzelne Individuum in der Regel ein äußerst geringes und damit eher vernachlässigbares Krebsrisiko. Das Krebsrisiko nach einer Strahlentherapie mit ihren wesentlich höheren Dosen ist aus bestimmten Gründen ebenfalls relativ klein.
 
Alkohol und Nikotin

Es ist heute Allgemeinwissen, dass übermäßiger Nikotinkonsum das Risiko des Lungenkrebses deutlich erhöht. Eine hohe, über viele Jahre aufsummierte Dosis von Nikotin führt mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit zu dieser oft tödlich verlaufenden Erkrankung.
Bei der weitaus überwiegenden Zahl von Patienten mit Krebserkrankungen des Kopf-Halsbereiches (z.B. Krebs der Mundhöhle oder des Rachens ) ist ein langjähriger Konsum der Kombination von Alkohol und Nikotin gegeben.

Biologie

Die Krebsentstehung ist letztlich äußerst komplex. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich die Krebserkrankung schicksalhaft vor dem Hintergrund einer in den Grundzügen feststehenden menschlichen Natur und Biologie. Zu dieser Biologie gehört, dass sich in den vielen Billionen Körperzellen, "Betriebsunfälle" ereignen können. Es liegt auf der Hand, dass die ständig molekularen Aktivitäten im Sinne von Auf- und Abbau der vielen Moleküle oder einzelnen Zellen (z. B. der DNS, der Eiweiße etc.) nicht immer und ein Leben lang ohne Fehler vonstatten gehen. Da die menschliche Biologie in sich nicht fehlerfrei ist, können im Laufe der Jahrzehnte eines menschlichen Lebens spontan "Betriebsunfälle" bzw. DNS-Mutationen (s. oben unter Dauer der Entstehung) entstehen, die der Startschuss für eine individuelle Krebserkrankung sind.

Krebsgene

Man geht heute davon aus, dass im Zuge der Evolution in das genetische Material der menschlichen Zellen Krebsgene (Onkogene) integriert worden sind. Diese Krebsgene werden zumeist in ihrer Aktivität durch benachbart liegende Gene unterdrückt, können aber auch für physiologische Prozesse (z. B. Zellwachstum) angeschaltet werden. In der molekularen Struktur bestimmter Genen können sich spontan auftretende Veränderungen  "Betriebsunfälle" ereignen. Dadurch wird die Aktivität der Krebsgene und damit die Entwicklung der Krebserkrankung in Gang gesetzt.
 
Reperatur

Nicht jede krebsrelevante Molekülveränderung führt jedoch zu Krebs. Zur Biologie des Menschen gehören auch Mechanismen, die molekulare Schäden reparieren oder Zellen mit Schäden aus dem Zellverband ausschließen. So wie eine Wunde abheilen kann, kann auch eine molekulare Verletzung der DNS zur vollständigen Ausheilung kommen. Nicht jeder spontane oder von außen durch Chemikalien oder Strahlen bewirkte molekulare Schaden im Bereich der Krebsgene führt also zu einer Krebserkrankung!

Alter

Klar ist jedoch, dass im Laufe eines langen Lebens ein zunehmend größer werdendes Risiko gegeben ist, eine "spontane" krebsauslösende Molekül-Verletzung zu erleiden, die unerkannt bleibt und so den körpereigenen Reparatur-Mechanismen entgeht.

Krebs durch seelische Belastung?

Die Frage, ob und in welcher Weise seelische Zustände, beispielsweise über hormonelle Einflüsse, auf die Krebsentstehung und die Entwicklung eines Tumors Einfluss nehmen, ist bis heute nicht beantwortbar. Die ernst zu nehmende Forschung, die sich mit Zusammenhängen zwischen Seele und Krebsentwicklung befasst, hat bislang nicht mit überzeugender Eindeutigkeit entsprechende Einflüsse beweisen können. Dieses schließt nicht aus, dass Zusammenhänge bestehen. Naturwissenschaft und moderne Medizin sollten sich eingestehen, dass ihr Wissen um Körper und Seele insgesamt sehr eingeschränkt ist.
 


 Wie ernährt man sich richtig?
 
Von vielen Organisationen, wie auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wird im Zusammenhang mit der Ernährung empfohlen:
-    ein mäßiger Fleischgenuß
-    ein häufigerer Fischverzehr
-    vor allem aber generell eine ballaststoffreiche, an tierischen Fetten relativ arme Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Ein natürlicher Anbau von Obst und Gemüse sowie eine möglichst natürliche Tierhaltung sind sicher im Hinblick auf die Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln vorteilhaft.
 

  

Was ist eine Metastase?
 
Unter einer Metastase versteht man die "Absiedlung"  eines bösartigen Tumors, also ein neuer Krankheitsherd an anderer Stellt (´Tochtergeschwulst´).

Die Zellen bösartiger solider Tumoren können invasiv in Lymph- oder Blutgefäßen einwachsen und dort die Erkrankung weiter verbreiten. Man unterscheidet die Metastasierung nach Art (z.B. über die Lymphe oder das Blut) und nach Ort (z.B. regionäre Metastasen). Zum Beispiel gelangen mit dem Blutstrom Tumorzellen in unterschiedliche Organe und bilden dort Fernmetastasen.

Generelles Prinzip: bei allen soliden Tumoren besteht ein Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit der Metastasierung und der Tumorgröße. Je kleiner der Tumor desto unwahrscheinlicher ist die Metastasierung!

Sichtbar werden Metastasen ab einer Größe von ca. 5 bis 10 mm Durchmesser. Frühestens ab diesen Durchmessern lassen sie sich mit den apparativen diagnostischen Methoden (Computertomographie; Kernspintomographie, Szintigraphie, Positronentomographie, Ultraschall) entdecken.

Lymphknotenmetastasen
 
Lymphgefäße haben die Aufgabe, die Gewebeflüssigkeit sowie Abfallstoffe aus den peripheren Körperregionen abzuleiten. Jedem Organ und jeder Körperregion sind bestimmte Lymphbahnen und Lymphknotengruppen zugeordnet. Diese nennt man regionäre Lymphknoten, die beim entsprechenden Organkrebs als erste befallen werden, z. B. beim Brustkrebs die Lymphknoten der Achselhöhle, z. B beim Prostatakrebs die Lymphknoten tief im Becken. Im Rahmen der Therapie werden diese Regionen in den meisten Fällen mitbehandelt. Die regionären Lymphbahnen mit den zugehörigen Lymphknoten werden operativ entfernt oder bestrahlt, weil ein Befall mit Krebszellen zu vermuten oder nachgewiesen ist.

Lymphknoten, die nicht in der unmittelbaren Umgebung des jeweiligen Tumors, sondern weiter entfernt liegen und auch erfahrungsgemäß erst im fortgeschritteneren Stadium der Tumorerkrankung befallen werden, nennt man nicht-regionäre Lymphknoten.

Fernmetastasen

Je nach Lage und Art des primären Tumors sind Fernmetastasen in bestimmten Organen (z.B. Lunge, Knochen, Gehirn) bevorzugt zu finden. Beim Mamma- und Prostatakarzinom beispielsweise finden sich Metastasen am häufigsten im Knochen, beim Darmkrebs in der Leber. An den Befallwahrscheinlichkeiten orientieren sich auch die Untersuchungen zur Beurteilung der Tumorausdehnung vor der Therapie. Prinzipiell können Metastasen aber - unabhängig von der Krebsart - in jeder Körperregion zu finden sein.

Wie schnell und wie häufig Metastasen auftreten, hängt von den einzelnen Tumorerkrankungen ab.
 

Wann bin ich geheilt?

Etwa 50% aller Patienten (Erwachsene und Kinder) mit bösartigen Erkrankungen werden heute geheilt. Bei manchen Krebserkrankungen sind die Heilungsaussichten leider immer noch relativ schlecht, oft deshalb, weil die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt worden ist. Gute Heilungschancen sind speziell bei Freiheit von Metasta-sierung gegeben.

Frei vom Rückfall

Im Allgemeinen spricht die Krebs-Medizin von 5- oder 10 Jahres-Heilungsraten. Bei einem Teil der Krebserkrankungen, zum Beispiel bei Karzinomen im HNO-Bereich kann davon ausgegangen werden, dass ein Rückfall der Erkrankung später als 5 Jahre nach Therapie eher unwahrscheinlich ist. Jedoch erst bei einer Rückfallfreiheit von 10 Jahren besteht mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit die Heilung. Eine 100%-ige Sicherheit ist jedoch auch jenseits der 5- oder 10 Jahres Grenzen nicht gegeben.

Wie kann man Heilung feststellen?

Im Allgemeinen ist am Ende der auf Heilung zielenden Therapie der Krebs nicht mehr zu erkennen.
 
Beispiel Brustkrebs: der Primär-Tumor, z.B. das Mammakarzinom, wurde operativ entfernt. Um eventuelle, nach Operation im Brustdrüsengewebe verbliebene Tumorzellen zu vernichten, folgte einige Zeit nach Operation eine Strahlenbehandlung der Brust.  Patientinnen, bei denen, z.B. wegen Krebsbefall von Achsellymphknoten, eine noch sichtbare Fernmetastasierung angenommen wurde, hatten zusätzlich eine Chemotherapie. Die Chemotherapie sollte die im Körper verstreuten, kleinen Nester von Tumorzellen (Mikrometastasen) vernichten. Am Ende dieser hochkomplexen, interdisziplinären Behandlung sind mit gewisser aber nicht mit 100% iger Wahrscheinlichkeit alle Tumorzellen inaktiviert bzw. vernichtet.

Leider können die einzelnen diagnostischen Verfahren am Ende der Behandlung nicht feststellen, ob noch kleinere Ansammlungen von aktiven, vermehrungsfähigen Krebszellen im Körper des Patienten vorhanden sind. Der Medizin fehlt das Mikroskop, mit dem direkt in den Patienten hineingesehen werden kann, um kleinste Krebsherde (kleiner als ca. 5 mm) zu erkennen.

Fazit

Die Frage der Heilung lässt sich somit nur aus dem Verlauf nach durchgeführter Therapie beantworten. Solange mit diagnostischen Verfahren, speziell auch mit klinischer Untersuchung durch den geübten und spezialisierten Arzt, ein Rückfall der Erkrankung nicht festgestellt wird, gilt der Patient als geheilt.

Mit anderen Worten: wenn die Heilung nicht erreicht wurde, lässt sich dieses erst erkennen, wenn aus mikroskopisch kleinen Resten der Tumorerkrankung ein einzelner oder mehrere Herde einer sichtbaren Größenordnung (größer als ca. 5 mm) herangewachsen sind. Bei einem Rückfall der Erkrankung in diesem Sinne spricht die Medizin von Rezidiven. Man unterscheidet zwischen Lokalrezidiven und Metastasen-Rezidiven. Lokalrezidive finden sich am Ursprungsort der Tumorerkrankung. Bestimmte Hirntumoren neigen zur lokalen Rezidivierung (z. B. Glioblastome), zum Teil auch Prostatakarzinome oder Karzinome des HNO-Bereiches.
 



Wenn Heilung nicht möglich ist - was bedeutet "palliative" Behandlung?

Leider ist die Heilung einer Krebserkrankung schon primär nicht immer möglich. Dieses hängt zumeist damit zusammen, dass schon bei der Entdeckung der Krankheit ein fortgeschrittenes Stadium gegeben ist.

Patienten mit soliden Tumoren, die nach Erstbehandlung im längeren Verlauf diagnostizierbare Fernmetastasen entwickelt haben, können zumeist nicht mehr geheilt werden Sie sind chronisch krank.

Linderung von Schmerz und Beschwerden

Ziel der palliativen Behandlung ist die Linderung oder vollständige Beseitigung von Beschwerden. Sehr häufig geht es um Rückbildung von Schmerzen, z.B. bei Metastasen im Skelett. Mit Verkleinerung der metastatischen Herde durch entsprechende Therapie, gehen die Schmerzen zurück, oder es wird z.B. die Gefahr eines Knochenbruches beseitigt. Bei Behandlung von Gehirn-Metastasen können z. B. durch hochpräzise und gezielte Anwendung von Strahlen am Linearbeschleuniger (Stereotaktische Strahlentherapie oder Radiochirurgie) Lähmungen oder sensorische Ausfälle rasch beseitigt werden. Palliation bedeutet letztlich immer die Verhinderung von absehbaren schwereren Komplikationen bzw. die Verbesserung von Lebensqualität.

Grundsätzlich kann die zeitweise Kontrolle der Tumorerkrankung durch palliative Therapie auch zu einer Lebensverlängerung führen. Zwischen Patient und Arzt sollte gerade auch bei der Palliation das Therapieziel gut abgesprochen sein. Im Aufklärungsgespräch sollte der Patient ein Gefühl dafür bekommen, welche Belastung und Beschwerden mit der Behandlung verbunden sind.